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Montag, 25. März 2019

Ghost Swirl: Seife mit hohem und reduziertem Wasseranteil in der Lauge


Ich bin ganz entzückt über die oben abgebildete Seife. Für die Färbung wurde rd. 3 EL Alkanna Pulver in rd. 300 g Olivenöl eingelegt, im Schraubglas für 2 Stunden im Wasserbad erwärmt und anschließend noch rd. 2 Monate beiseite gestellt und ab und zu durchgeschüttelt. 

Um den dunklen und den hellen Teil der Seife zu gestalten wurden sowohl die Öle als auch das für die Seife notwendige NaOH in zwei Teile geteilt, jeweils 1/3 und 2/3. Das 1/3 NaOH wurde mit einem Wasseranteil von NaOH x 2,4 angerührt (z.B. für 100g NaOH: 100g x 2,4 = 240g Wasser) und der Anteil von 2/3 mit einem Wasseranteil von 1,4 x NaOH (z.B. für 200g NaOH: 200g x 1,4 = 280g Wasser). Es wurde in Folge zwei unterschiedliche Seifenleime hergestellt, 1/3 mit hohem Wasseranteil und 2/3 mit Wasserreduktion in der Lauge - die Menge an Alkanna Pulver im Olivenöl ist dabei (prozentuell) gleich.

Rezept: 36% Kokosöl, 30% Olivenöl, 12% Mandelöl, 8% Avocadoöl, 7% Kakaobutter, 4% Rizinusöl und 3% Sheabutter.

Der dunkle Teil der Seife auf dem obigen Bild zeigt den Seifenleim mit hohem Wasseranteil und der helle Teil mit geringem Wasseranteil in der Lauge. Der helle Teil hat sich während der Reifezeit noch farblich verändert und hat einen Farbverlauf bewirkt, den man dadurch gut erkennen kann weil die Oberfläche der Seife abgehobelt wurde. 

Diese - und auch die unten abgebildete Seife - sind beim Experimentieren für die Soap Challenge im Februar entstanden.


Für die zweite Seife habe ich rd. zwei Esslöffel Indigo Pulver in 300 g Olivenöl eingelegt und im Schraubglas (Deckel oben) rd. 2 Stunden im Wasserbad köcheln lassen. Dann etwa zwei Monate stehen lassen und ab und zu mal gut durch geschüttelt.

Man sieht auch bei dieser Seife zwei verschiedenen Farben: der dunkle Teil hat eine Wasserkonzentration von 2,4 x NaOH Menge in der Lauge und der helle Teil 1,4 x NaOH. Die Menge an Indigo (prozentuell im Olivenöl) ist dabei gleich. 

Die Färbung kommt wiederum durch die unterschiedlichen Wasserkonzentrationen in der Lauge zu Stande. Auf dem Foto oben kann man auch gut erkennen, dass der Seifenleim mit höherer Wasserkonzentration Sodaasche gebildet hat (weiße Schicht an der Oberfläche, die nach dem ersten Waschen verschwindet). 


Auf dem zweiten Bild habe ich die Oberfläche abgehobelt, dann ist die Sodaasche nicht mehr vorhanden und man kann die unterschiedlichen Nuancen des Indigos gut erkennen.  Im Grunde kann man drei Farben erkennen: 
- dunkel =  hoher Wasseranteil mit Gelphase (als eingegrenzter „See“ zu sehen)
- hell matt =  niedriger Wasseranteil ohne Gelphase (als „Wege“ zwischen den Seen)
- hell schimmernd =  Hoher Wasseranteil ohne Gelphase (zB oben mittig und rechts im unteren Teil)


Seife mit höherem Wasseranteil kommt leichter in eine Gelphase, dadurch ist die Farbe kräftiger (dunklere Farbe). Die Seife mit dem niedrigen Wasseranteil hat keine Gelphase durchlaufen und ist heller.  Die "Seen" mit hohen Wasseranteil die nicht in eine Gelphase gekommen sind, sind vorwiegend kleinere Seifenmengen (dort hat sich nicht genug Wärme für eine Gelphase entwickelt).

Dort wo die unterschiedlichen Seifenleime aneinander grenzen haben sich Krater gebildet, es wirkt auf den ersten Blick als als wären die Flächen nicht gut miteinander verbunden. Der Seifenleim mit hohem Wasseranteil zieht sich dabei zurück und bildet den Krater, das ist auf dem ersten Bild mit der Sodaasche (2. Bild im Post) am besten zu erkennen. 

Die Seife mit dem höheren Wasseranteil bildet den Krater und "zieht sich zurück". Interessant fine ich dabei, dass der Krater bereits nach der Verseifung in diesem Ausmaß entstanden ist und nicht erst nach der Reifephase. Die abgehobelten Seifen haben nach 2-3 Wochen Reifezeit bereits wieder eine Struktur auf der Oberfläche gebildet da der Seifenleim mit höherem Wasseranteil mehr Wasser verdunstet hat als die Seife mit niedrigem Wasseranteil.

Im Buch "Scientific Soapmaking" hat Kevin Dunn interessante Experimente mit Seifen mit hohem und niedrigem Wasseranteil durchgeführt, auch jene Seifen während des Reifeprozesses abgewogen und notiert wie viel Wasser bei welchen Seifen entweicht. Weiters hat auch Auntie Clara unglaubliche Experimente mit hohem und niedrigem Wasseranteil durchgeführt und damit nicht nur wegbereitende Erkenntnisse sondern auch wunderschöne Seifen mit der von ihr als Ghost Swirl bezeichneten Technik gestaltet.


Auf dem letzten Bild sieht man den gesamten (Indigo gefärbten) Seifenblock (aus dem acht Stück Seife geschnitten wurden).  Die fast weißen „Seen“ zeigen die Sodaasche die sich auf dem Seifenleim mit hohem Wasseranteil gebildet hat. Wenn man Sodaasche vermeiden möchte ist Wasserreduktion eine geeignete Methode.

Ich freue mich sehr über Kommentare und/oder eine weiterführende Diskussion zu diesem Thema!

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